
Dieses Buch hat es wirklich in sich! Es handelt sich hierbei um ein mehr als 800 Seiten starkes Sachbuch, dass jetzt endlich auch im Taschenbuchformat erhältlich ist. Wie der Titel schon sagt, behandelt das Buch die wechselvolle Geschichte der Central Intelligence Agency (CIA), die vor etwas mehr als sechzig Jahren gegründet wurde, um als eine Art international operierender Nachrichtendienst den jeweiligen Präsidenten der USA über alle wichtigen politischen Aktivitäten auf der ganzen Welt in Kenntnis zu setzen. Der US-Autor Tim Weiner ist als Journalist für die New York Times tätig und wurde für seine glänzenden Reportagen bereits zwei Mal mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. In einer überaus sorgfältigen und über zwanzig Jahre andauernden Recherchearbeit ist es ihm gelungen, das vollständigste Bild des berühmten Geheimdienstes zu zeichnen, das jemals geschrieben wurde.
Weiner betont, dass es sich bei den angeführten Informationen ausnahmslos um durch Zeitzeugen, Geheimdokumente und andere Primärquellen belegte Tatsachen handelt. Im Jahr 2005 verlor die CIA ihren Status als zentrale Informationsquelle für das Weiße Haus, nachdem George W. Bush den Geheimdienst jahrelang zweckentfremdet hatte. Kurz darauf wurden erstmals alle bis dahin über die CIA verfügbaren Daten öffentlich zugänglich gemacht, so dass der Autor die Möglichkeit hatte, in über 50.000 Dokumente (Archivmaterial des Weißen Hauses, der CIA und des Außenministeriums) Einsicht zu gewinnen. Zudem führte er in den letzten zwei Jahrzehnten Interviews mit fast 300 CIA-Beamten und -Direktoren.
Bislang stellte sich die CIA immer gern als unangreifbare und erfolgreiche Behörde dar. Ich kenne diese Art Propaganda besonders aus teuren Hollywood-Produktionen, in denen es vor wahnsinnig fähigen und super gut informierten amerikanischen Agenten nur so wimmelt. Ein Eindruck, der laut Weiner von der Wirklichkeit meilenweit entfernt ist. Denn die CIA war anscheinend von Anfang an schlecht organisiert und arbeitete aufgrund unzureichender Informationen über ausländische Feindbewegungen außerordentlich stümperhaft. Auch waren die eingesetzten Agenten oft absolut inkompetent sowie unzureichend ausgebildet. Die in der Öffentlichkeit so gern präsentierten Erfolge gleichen bei weitem nicht die teilweise katastrophalen Fehlschläge der Organisation aus. Diese Negativ-Bilanz beinhaltet den Verlust von unzähligen Menschenleben, der durch ein umsichtigeres und intelligenteres Vorgehen der Führungsspitze hätte verhindert werden können.
Aber auch die jeweiligen Präsidenten der USA kommen bei Weiner nicht gut weg. Anstatt das Wesen der CIA zu studieren und sich auf objektive Fakten zu verlassen, wollten die meisten Amtsinhaber ihre eigenen Vorstellungen verwirklicht sehen, die oft an der Realität vorbei gingen. Die CIA passte sich im Laufe der Zeit der jeweils geltenden Weltanschauung an und verlor so den nötigen politischen Weitblick, was fatale Auswirkungen hatte.
Das Buch ist nicht nur vom reinen Umfang her sehr dick, sondern bietet eine unglaubliche Fülle an interessanten Fakten, die spannend und informativ aufbereitet sind. Es ist in sechs Teile gegliedert, die in chronologischer Abfolge die Amtszeiten der verschiedenen Präsidenten von Truman bis George W. Bush markieren. Im Vorwort wird eine kurze Zusammenfassung der Geschichte der CIA und der Hintergründe zum Buch gegeben. Abgerundet wird das Ganze durch einige Schwarz/Weiß-Fotos und einen ungefähr 160 Seiten umfassenden Anhang mit Anmerkungen. Aufgrund der vielen Personen und Ereignisse ist dieses Werk wahrlich nicht mal eben an einem Nachmittag zu lesen. Ich denke, es ist nur für Leute geeignet, die sich für die außenpolitische Geschichte der USA während und nach dem Kalten Krieg interessieren. Wer unter diesen Gesichtspunkten an das Buch herangeht, wird mit einem bombastischen Wissensstrom belohnt, für den Tim Weiner zu Recht den National Book Award bekommen hat. Mich hat das Buch begeistert!
Geschrieben von:
Emma







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