Zur Zeit erscheinen viele Bücher über den Maler Michelangelo Merisi da Caravaggio auf dem Buchmarkt. Kein Wunder, denn sein Talent, Menschen lebendig und in dynamischer, spannender Bewegung zu malen, Licht anders einzusetzen als die eher statisch und starr abbildenden Maler vor ihm hat sogar Rubens, Vermeer, Rembrandt und Velásquez beeinflußt.
Mehrere Schriftsteller bemühen sich daher, auch mehr darüber den Menschen Michelangelo und seine Geschichte heraus zu finden. Tilman Röhrig tut dies in hervorragender Art und Weise. Sein Schreibstil ist genauso dynamisch und spannungsgeladen lebendig wie der Mensch, über den er berichtet.
Wer war nun der Maler, den alle Welt Caravaggio nennt, nach der Gegend um Mailand, in der er geboren wurde?
Ein von seiner Leidenschaft und seinem brennenden Ehrgeiz, große, besondere Bilder zu malen, getriebener Mensch. Er wußte von klein auf, dass er etwas Besonderes war und wollte sein Ziel aus eigener Kraft erreichen. Der Vater und auch der Großvater verstarben sehr früh - letzterer war vermutlich der einzige Mensch, der außer seiner großen Jugendliebe Paola, mit ihm fertig geworden wäre, denn Caravaggio war ein Heißsporn und großer Hitzkopf, der schnell in Rage geriet, wenn nicht alles so lief, wie er wollte…so lange rührig und rastlos, bis er selbst endlich mit seinem Werk zufrieden war - und im
Grunde alle Männer bis auf unglaublich wenige Freunde nutzten Michelangelo aus - auf jede nur mögliche Art. Die Frauen in Caravaggios Umfeld waren ihm liebe- und verständnisvoll zugetan, aber die Männer seiner Welt waren allesamt recht verkommen und schreckten vor jeglicher Art von ausgeübter Gewalt kaum zurück.
Als er nach dem Tod seiner Mutter, die sein Talent zu Lasten der anderen Kindern zu fördern versuchte, erfährt, dass die Geschwister ihm das vorwerfen, zahlt er sie aus und pilgert nach Rom, um endlich seine Karriere zu starten. Doch Rom ist eine üble Schlangengrube mit eigenen Regeln und Gesetzen, durchsetzt von schmierigen Intrigen, die Caravaggio schnell durchschaut und ablehnt. Er will es allleine, aus eigener Kraft schaffen und muß doch feststellen, dass nur die Erwähnung seiner Gönnerin Sforza ihm die Türen zur Werkstatt und Akademie des berühmten Malers Guiseppe Cesari d’Arpino öffnet und er erst dann überhaupt erst zeigen und beweisen kann, wie gut er die Bilder, die er schon fertig im Kopf hat, auch tatsächlich auf die Leinwand bannen kann. Guiseppe Cesari d’Arpino nutzt sein Talent schamlos aus und intrigiert gegen ihn, als Caravaggio sich gegen ihn auflehnt. Zu guter Letzt wird das für Michelangelo unerträglich und er verläßt die Akademie, verfällt nun aber immer mehr seiner Trunksucht und steht sich selbst durch sein hitziges Temperament auch immer mehr im Wege, bis es unweigerlich zur Eskalation und einer Tötung im Affekt kommt und ab da aus dem Künstler ein gehetzter Mensch wird.
Tilman Röhrig zeichnet mit diesem Roman nicht nur ein gut nachvollziehbares und miterlebbares Psychogramm des Ausnahmekünstlers, sondern gibt uns Lesern auch einen guten Einblick in ein pralles, lebendiges Sittengemälde der korrupten Gesellschaft Italiens des 16. Jahrhunderts.
Sehr lesenswert!
Iris Hoffmann








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