Die Chronik der Weltensucher: Die Stadt der Regenfresser
Vor dem Lesen dieses Romans hatte ich einen festen Grundsatz: Abenteuerfilme ja, Abenteuerbücher nein danke. Irgendwie erschienen mir letztere immer zu langatmig, mit langweiligen Klischeecharakteren. Doch dann las ich dieses Buch und mein Grundsatz war dahin. Denn “Die Stadt der Regenfresser” ist genau die Sorte von Abenteuergeschichte, die ich immer gesucht habe: spannungsgeladen, phantastische Schauplätze und tolle, unverwechselbare Charaktere.
Die Geschichte beginnt in Berlin. Oskar, ein Straßenjungen und Gelegenheitsdieb, begegnet an einem Schaufenster einem schwarzgekleideten, mysteriösen Mann, dessen Brieftasche geradezu verlockend aus der Seitentasche herauslugt. Oskar kann nicht widerstehen, doch er ahnt nicht, was bald geschehen wird. Es gelingt ihm zwar, mit der Brieftasche zu flüchten und er wähnt sich auch bald in Sicherheit. Doch der Schein trügt, denn in einem dunklen Seitengang wartet der mysteriöse Mann auf ihn, überwältigt ihn und nimmt ihn mit in seine Villa. Doch nicht, um ihn verhaften zu lassen, sondern um ihm ein Angebot für eine Reise zu machen, denn der Mann ist kein geringerer als Carl Friedrich von Humboldt, ein Nachkomme des legendären Forschers Alexander von Humboldt.
Was nun beginnt, ist eine abenteuerliche Reise, in einer Form beschrieben, die seinesgleichen sucht. Der Autor Thomas Thiemeyer versteht es meisterhaft, seine Figuren lebendig und individuell zu zeichnen, sodass man sie schon nach kurzer Zeit lieb gewinnt. Gekonnt baut er Spannungsbögen auf, die nicht durch langatmige Passagen wieder verloren gehen. Man fliegt als Leser nur so über die Seiten, da man unbedingt erfahren will, wie es weitergeht.
Mein Grundsatz ist zwar dahin, doch diesen “Verlust” gehe ich für dieses außergewöhnliche Buch gerne ein. “Die Stadt der Regenfresser” ist allerfeinstes Kopfkino!!
Geschrieben von Marlene Otto








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