Das sind schon sehr geschickte psychologische”Schachzüge”, mit denen der Autor des Buches “Der Name des Buches ist ein Geheimnis” da arbeitet.
Als Erwachsener bzw. als Mutter von mittlerweile erwachsenen Söhnen weiß man, dass Kinder nichts so stark reizt wie ein Geheimnis, über das sie den Mund zu halten haben. Nicht nur bei Kindern übrigens ist sowas allerdings auch so gut wie unmöglich. Versuchen sie doch selbst einmal, eine Minute NICHT an einen kleinen rosa Elefanten zu denken, nachdem sie dazu aufgefordert werden, genau das eben nicht zu tun. Sehen sie, klappt hervorragend. Ihr Gehirn wimmelt bei dem angestrengten Versuch, selbige kurzzeitig daraus zu eliminieren, geradezu von kleinen rosa Elefanten und sie tanzen auf sämtlichen Synapsen wahrscheinlich Rock ‘n Roll.
Ebenso funktioniert das natürlich auch mit der strikten Aufforderung, dies bestimmte Buch besser NICHT zu lesen und es aber auf jeden Fall als Geheimnis zu bewahren - bei Lemmony Snicket hat es schließlich auch funktioniert - ganz neu ist dieser Trick, die Aufmerksamkeit des geneigten Lesers auf sich zu ziehen, also nun wirklich nicht.
Als erfahrene frühere Sesamstrassen-Pflichtguckerin (Kennen Sie den noch: “Pssst, ich habe ein F zu verkaufen!”?) interessierte mich also auch eher, ob denn genügend Substanz da sei, worüber es denn als Hobby-Rezensent so beredt zu schweigen gälte - und ich muß sagen, Pseudonymus Bosch - ja, auch wer der Autor des Buches ist, ist natürlich ein Geheimnis - hat mich angenehm überrascht.
Ein weiterer kluger Schachzug des Autoren besteht darin, den Leser sofort direkt anzusprechen. Erzielt wird, dass der Leser fast wirklich der Ansicht ist, das Buch und die darin enthaltenen Geheimnisse haben einzig und allein auf den richtigen, vertrauenswürdigen Leser gewartet. Und dementsprechend kann man auch nicht aufhören zu lesen, bis man das Buch durch hat.
Worin wird man als Leser also eingeweiht bzw. in welche Handlung wird man als Mit-Geheimnisträger mit einbezogen?
Kass lebt bei ihrer alleinerziehenden Mutter und ist bestens auf jegliche Art von Endzeitkatastrophen vorbereitet, die sie auch permanent jedem prophezeit. Ihr ständiger Begleiter ist ein Rucksack, prall gefüllt mit Dingen, die man so nach einer Katastrophe zum Überleben benötigt. Ihr Schulkamerad Max-Ernest hat wiederum eine andere Macke: er quasselt ohne Unterlaß - allerdings auch nicht gerade witzigen Kram - und macht sich damit in der Schule ebenso keine Freunde. Verständlich, dass es diese beiden zueinander zieht.
Durch puren Zufall - eine Immobilienmaklerin, die sich im Laden von Kass Großvätern aufhält - hat einiges Merkwürdige über eines ihrer Objekte zu erzählen - gelangen Kass und Max-Ernest in den Besitz einer geheimnisvollen Schatulle mit Riechfläschen, die sich „Symphonie der Düfte“ nennt und an das Tagebuch eines Mannes, der angeblich bei dem Brand seines Hauses ums Leben gekommen sein soll. Kein gewöhnlicher Mann, sondern seines Zeichens Magier. Wenn das neugierige Jugendliche nicht reizt, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen, was an der ganzen Sache dran ist und natürlich ebenso bestens geeignet, um sich selbst umgehend in die größten Schwierigkeiten zu bringen, weiß ich auch nicht. Und wir Leser dürfen an diesem großartigen Kopfkino auch noch teilnehmen. Besser geht’s doch gar nicht. Unbedingt selber lesen.
Pseudonymus Bosch - wer immer das auch sein mag, begann mit diesem Buch eine geheimnisvolle, witzige und äußerst spannende Geschichte und ich freue mich schon sehr auf den Folgeband.
Iris Hoffmann








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