Alles wegen Kim. In Hannover gibt es Fledermäuse … und Studenten, die gar nicht studieren, sondern ein wenig in Asia-Shops jobben und ansonsten in den Tag hineinleben. Sebastian Schätz ist so ein Anti-Student — in Hannover — wo es auch Fledermäuse gibt - und eigentlich hasst er nämlich alles, was mit dem Student sein zusammenhängt. Hannover hasst er nämlich auch;
Wenn man’s genau nimmt, hat Sebastian eigentlich nur eine große Liebe und die heißt Kim. Kim hat gerade mit Andreas Schluss gemacht und so ist der Weg endlich frei für Sebastian und alles könnte einfach wundervoll werden, zumal Kim dem Sebastian ein erstes richtiges Date signalisiert hat, ein Kinobesuch mit Happy Ending sozusagen.
Aber es gibt ja, wie schon erwähnt, eben auch Fledermäuse in Hannover. Eine davon fliegt nachts durch das gekippte Schlafzimmerfenster von Sebastianerschreckt ihn gewaltig.
Unser Anti-Held ruft sofort die Feuerwehr, die seiner Auffassung nach das Tier, das doch gewiß jede Menge Krankheiten übertragen könnte, die Sebastian derzeit — wegen Kim natürlich - so gar nicht gebrauchen kann, entsorgen soll; schließlich holen die ja auch Katzen von den Bäumen. Aber die Feuerwehr kommt nicht, sondern eine Rettungsdienstgruppe, die sich MAD (Medizinischer Außendienst) nennt und Sebastian merkwürdige Fragen stellt, - z.B. wegen seiner Hand, die er sich im Rolladen eingeklemmt hat - seltsame Fachausdrücke für ihn verwendet, die Sebastian nicht versteht und bei ihm eine Halskette mit Amulett zurücklässt.
Wenigstens scheint die Fledermaus wieder das Weite gesucht zu haben. Am Tag des Kinobesuchs mit Kim wird Sebastian auf der Toilette von einem Vampir überfallen, der zutiefst deprimiert und frustriert allerdings wieder von ihm ablässt, als er des Amuletts um Sebastians Hals ansichtig wird. Nur sehr schwer gelingt es Sebastian Theodor, der sich für den dümmsten Vampir aller Zeiten hält, zu trösten … doch man ist dann doch bald per „Du”, nennt sich gegenseitig liebevoll Basti und Teddy - und einem weiteren harmonischen Verlauf des Dates — sprich: einer heissen Nacht mit Kim sollte dann eigentlich nichts mehr im Wege stehen … außer einem plötzlichen und äußerst heftigem Migräneanfall. Nein, nicht Kim! Den Sebastian haut es leider völlig aus den Socken und er schleicht sich unverrichteter Dinge tags darauf frustriert und noch recht benommen zu seiner Wohnung, wo ihn schon ein Oger — nein, kein grüner — erwartet. Dieser lässt Basti eine Plastiktüte voller Gold und einen nach Knoblauch stinkenden Mantel da.
Allerdings wird das Gold umgehend von den Zwergen, die sich als GEZ-Mitarbeiter und Geldeintreiber vorstellen und Sebastian ein Schreiben mit Verhaltensmaßregeln überreichen, konfisziert. Und der nach Knoblauch stinkende Mantel erweist sich als ganz hinterhältiger Gestaltwandler-Vampir, Pjotr mit Namen, ein Domowoj, der den mittlerweile recht fatalistisch wirkenden Sebastian zunächst mit völlig übertriebener Putzsucht beeindruckt, es in Wahrheit aber nicht nur faustdick hinter den Ohren - oder im Spülschrank? - sitzen hat und es auf Kim abgesehen hat.
Und nun kommt immer mehr Fahrt auf in diesem abgedrehten Roman.
Nicht nur, dass Sebastians zu einem überraschenden Besuch eintrudelnden Eltern sich plötzlich scheiden lassen und diese Tatsache eigentlich regelrecht freudig mit ihm feiern wollen, Kim teilt ihm ebenso aus heiterem Himmel mit, dass sie mit ihm Schluß machen möchte und ihn nicht mehr wieder zu sehen wünscht. Als Sebastian völlig verstört und liebeskrank zu ihrer Wohnung fährt und sie zur Rede stellen will, bemerkt er auch bei ihr ein Mahnschreiben inklusive strikter Verhaltensregeln der GEZ… und langsam dämmert es nun auch unserem Anti-Helden, dass irgendwas ganz gewaltig verkehrt läuft in seiner bislang so kuscheligen und stressfreien Umwelt.
Alles zu beschreiben würde den Rahmen einer Rezension sprengen und auch zuviel von der haarsträubenden Geschichte vorwegnehmen, aber als sich Sebastian endlich entschließt, nicht mehr alles nur passiv und ohne zu hinterfragen hinzunehmen und von der Rolle des Gejagten zur Rolle des Jägers überwechselt, erfährt auch der gut bis zur Mitte des Buches doch ein wenig dahinplätschernde und auch sprachlich ein wenig distanziert wirkende Roman insgesamt eine positive Wendung und mir wurde der Protagonist auch erst dann sympathisch. Wahrscheinlich kann ich mir eben einfach keinen Zwanzigjährigen vorstellen, der sich über längere Zeit einfach nur sehr trottelig anstellt und ein willenloses Opfer für Wesen abliefert, deren Ess-und Lebensgewohnheiten sich doch recht suboptimal von der Mehrheit der menschlichen Bevölkerung absetzt. Da standen meine Sympathien schon eher recht lange auf der Seite der abgefahrenen, skurrilen Typen des Romans.
Wer also genug Durchhaltevermögen beweist und den zwar humorvollen, aber doch eher schleppenden und seichter gehaltenen Beginn des Romans lesetechnisch übersteht, wird ab Mitte des Buches durchaus positiv überrascht und belohnt.
Fazit: gute Ansätze, aber das nächste Mal einfach bitte mit etwas mehr Gefühl, Leidenschaft und Pfeffer - und dafür weniger satirischer Abgeklärtheit.
Iris Hoffmann








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