Benoit Courrèges, von allen nur Bruno genannt, ist Chef der kommunalen Polizei von Saint-Denis, einem kleinen Ort im französischen Périgord. Er untersteht direkt dem Bürgermeister des kleinen Ortes und seine Hauptaufgabe besteht darin, Verbrechensprävention zu betreiben und die Bevölkerung vor Diebstählen und ähnlichem zu bewahren. Bruno hat Spaß an seiner Arbeit und dem Leben, das er führt, denn er hat viele Freunde, einen schönen Hof und ist aufgrund seiner Jugend und seines guten Aussehens ein äußerst begehrter Junggeselle. Sein beschauliches Dasein gerät leicht aus den Fugen, als unerwartet ein Kapitalverbrechen in Saint-Denis verübt wird. Opfer ist der alte Hamid, ein Algerier, der in der Résistance auf Seiten der Franzosen gekämpft hat und dafür seine Landsleute verriet. Die nationale Polizei wird eingeschaltet und bald kristallisiert sich ein rassistisches Motiv heraus. Bruno, der den hinzugezogenen Chefinspektor von früher kennt, darf am Rande an den Ermittlungen teilhaben. Durch seine außergewöhnlichen Ortskenntnisse und zahlreichen guten Beziehungen ist er dem Rest des Polizeiapparates weit voraus und schafft es gemeinsam mit der attraktiven Inspektorin Isabelle, den Fall zu lösen, der bis in die nationalsozialistische Besatzungszeit reicht und auch den Algerienkrieg streift.
Der gebürtige Schotte Martin Walker, der sowohl in Harvard als auch Oxford Wirtschaft, internationale Beziehungen und Geschichte studierte, hat mit “Bruno, Chef de police” den ersten Band einer neuen Krimi-Reihe vorgelegt. Der Autor lebt abwechselnd in Amerika und im Périgord, so dass die französische Mentalität kein fremdes Terrain für ihn sein dürfte. Walkers Hauptfigur Bruno ist ein ganz anderer Typus Ermittler, als man ihn aus modernen amerikanischen oder englischen Kriminalromanen kennt. Am ehesten ist er wohl mit seinen italienischen Kollegen vergleichbar, wie z.B. Commissario Montalbano. Der Polizeichef ist ein bescheidener und bodenständiger Mensch, der die einheimischen Marktbetreiber vor den EU-Inspektoren aus Brüssel beschützt, Rugby und Tennis spielt, leidenschaftlich gern Freunde bekocht, seinen akkuraten Gemüsegarten pflegt und ab und an auch mal einen kurzen Gedanken an einen Flirt verschwendet. Er weiß über jeden im Dorf Bescheid und hat dadurch die Möglichkeit, bei Problemen gleich die passende Lösung parat zu haben oder wenigstens diplomatisch schlichten zu können.
Der Roman ist aber durchaus auch gesellschaftskritisch und zeigt die Probleme auf, mit denen die Bewohner des Périgord zu kämpfen haben. Die Ereignisse, die auf den Mordfall folgen, machen deutlich, dass es auch in Frankreich unterschwellig viele Ressentiments gegenüber Ausländern gibt, geschichtsbedingt sind vor allem Araber betroffen, aber auch andere Nationalitäten wie die Engländer, durch die unter anderem die Immobilienpreise astronomisch in die Höhe schnellen. Zusätzlich sorgen die neuen EU-Vorschriften für eine Gefährdung der regionalen Traditionen und etlicher dazugehöriger Verdienstquellen. Ein Bestseller wird das Buch wohl nicht werden, da es als Kriminalroman gehandelt wird und für den Großteil der heutigen Krimileser wahrscheinlich zu betulich und nicht spektakulär genug ist. Der Mordfall steht eher im Hintergrund des Geschehens und ist als einziger Kaufgrund meines Erachtens nicht zu empfehlen. Denn hauptsächlich geht es um die wunderbare Landschaft des Périgord und die Eigenheiten seiner Bewohner, die zusammenhalten und für ihre Interessen eintreten. Bei der Beschreibung der verschiedenen kulinarischen Leckerbissen läuft einem als Leser regelrecht das Wasser im Mund zusammen. Einziger Kritikpunkt: Aufgrund der Vielzahl an französischen Ausdrücken und polizeilichen Institutionen, deren Bedeutung außerhalb Frankreichs unbekannt sein dürften, wäre ein Glossar sehr nützlich gewesen. Abgesehen davon hat mich “Bruno, Chef de police” bestens unterhalten und ich habe einen ganz neuen und sehr interessanten Einblick in die französische Geschichte und die Lebensart im schönen Périgord erhalten.
Geschrieben von: Emma








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