An diesem Buch scheiden sich die Geister, oh, pardon, die Leser, die Bewerter und Rezensenten offenbar sehr. Ein Grund mehr für mich, mir endlich auch mal diesen Roman von Louise Jacobs selbst anzuschauen, um heraus zu finden, was ich persönlich wohl damit anfangen kann.
Worum geht es?
Der Roman “Gesellschaftsspiele” beginnt mit dem Ende eines Menschenlebens und der Frage, wer oder was den doch so berühmten und erfolgreichen Leo Becker, der doch alles besaß, was man sich gemeinhin nur wünschen konnte, getötet hat. Allerdings darf man bei diesem Roman keinen Krimi oder Thriller im eigentlichen Sinne erwarten. Und doch ist es nicht weniger spannend, interessant und berührend, wie es zu diesem Tod kam:
Leo Becker, Mitte Dreißig, hat auf der Erfolgsleiter alles erreicht, was sich viele Menschen im Allgemeinen wünschen: er gilt als der erfolgreichste lebende Maler und seine Werke will jeder besitzen. Die Schönen und Reichen zahlen so gut wie völlig unbesehen viel für seine Bilder, was ihm ein Leben in einem gewissen Luxus ermöglicht. Als Höhepunkt seiner Karriere erhält er sogar vom Metropolitan Museum of Art in New York den Auftrag, innerhalb der nächsten neun Monate exklusiv 12 Bilder zu malen. Doch damit beginnt für Leo im Grunde die Wende zum Negativen. Alles, was er wollte, ist eigentlich ein freier, unabhängiger Künstler und eben keinem Erfolgsdruck ausgesetzt zu sein. Doch dazu ist es jetzt offenbar zu spät. Auf der Höhe seines Ruhms fühlt er sich gerade dadurch gelähmt und bekommt dadurch dann im Endeffekt auch die einzigartige Härte und Kälte der Gesellschaft zu spüren, die jeden mit Verachtung bestraft, der aus dem “Zug” aussteigen will. Allerdings tut er selber im Grunde auch nichts anderes als mit dem Strom schwimmen, kehrt sich lieber nach innen, fühlt sich unverstanden und wird depressiv.
Verheiratet mit einer Frau, Rahel, die auch gleichzeitig seine Managerin ist, die lieber andere recht beißend kritisiert und durch Leos Erfolge das auch ungestraft darf, fühlt er sich immer mehr angewidert von der Gesellschaft, für die Leistungsdruck (auch in sexueller Hinsicht), Machtstreben, Alkohol- und Drogenkonsum normal ist. Aber - außer über seine Bilder kann er seinen Widerwillen eben nicht artikulieren.
Seine Ex, Ebba, hat sich ebenfalls von ihm abgewendet, sich ein eher mittelmäßiges Leben zurechtgeschustert und möchte die Vergangenheit nicht wieder aufleben lassen. Und da auch Leo seine Bedürfnisse nicht wirklich hinterfragt, sein Leben selbst in die Hand nimmt und ihm eine Wende gibt, steht dann nur noch die Erfüllung seiner Aufträgen im Vordergrund. Die drei Protagonisten selbst tun sich alle nur noch gegenseitig weh und verlieren zum Schluß im Grunde alle.
Solche gesellschaftskritischen Romane hat es natürlich schon öfter gegeben und die Denkanstöße, die der Leser dadurch bekommt - sich und sein eigenes Leben mal öfter zu hinterfragen - sind auch nicht neu.
Aber ich finde sie trotzdem ab und zu mal recht lesenswert, zumal, wenn sie von einer ja noch recht jungen Autorin (1982 geboren, Erstlingswerk: “Café Heimat“) stammen, die sich zudem noch in den sogenannten besseren Kreisen auskennen dürfte.
Fazit: nur weiter so, Frau Jacobs. In jeder Hinsicht!
Iris Hoffmann








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