Linwood Barclays neustes Werk heißt „In Todesangst“ und spielt wieder in den USA. Ähnlich wie bei den beiden anderen auf Deutsch erschienen Werken „Ohne ein Wort“ und „Dem Tode nah“ steht wieder ein Teenager im Mittelpunkt und dessen Eltern.
Die 17-jährige Sydney wohnt in den Sommerferien bei ihrem Vater Tim und hat einen Job in einem Hotel in der Nähe. Die Eltern haben sich vor einigen Jahren getrennt und während der Schulzeit wohnt Sydney bei ihrer Mutter und deren neuem Partner. Nach einem recht normalen morgendlichen Streit zwischen Vater und Tochter kehrt Sydney abends nicht nach Hause zurück. Weil sie auch nicht an ihr Handy geht, fährt Tim zu dem Hotel, in dem Sydney arbeitet…. oder auch nicht, denn dort kennt sie keiner. Auch Sydneys Mutter ging davon aus, dass Sydney in diesem Hotel arbeitete und hat keine Ahnung, wo die gemeinsame Tochter stecken könnte. So macht der Vater sich auf die Suche und deckt dabei einige dunkle Geheimnisse auf.
Die Hauptfiguren sind wieder gut gezeichnet, die besorgten Eltern, zwischen denen noch einige Probleme aus der Vergangenheit stehen. Tim, der mehr oder minder erfolgreiche Autoverkäufer, der seine Tochter liebt und fast alles versucht, um sie zu finden. Die Mutter, die inzwischen mit einem von Tims größten Konkurrenten zusammen ist, ebenfalls besorgt, aber wegen einer Sportverletzung kaum aktiv an der Suche beteiligt. Die Nebenfiguren sind für meinen Geschmack zu schwarz-weiß geraten. Insbesondere die Polizisten scheinen teilweise eher inkompetent und zu passiv. „Natürlich“ fällt der Verdacht auch irgendwann auf den Vater, der sich dann quasi alleine um die Rettung von Sydney kümmern muss.
Und genau da liegt für mich der Schwachpunkt der Geschichte: Tim ist ein liebevoller und besorgter Vater, die Mutter nicht minder, aber beide Eltern haben keinerlei Ahnung in welch dunkle Machenschaften ihre Tochter verwickelt ist? Sie lassen ihre minderjährige Tochter in einem Hotel arbeiten, in das beide Eltern noch nie einen Fuß gesetzt haben? Die Mutter stachelt immer wieder den Vater an, sich intensiver um die Suche zu kümmern und das ist alles von ihrer Seite? Hinzu kommen leider noch einige Ungereimtheiten bei den Ermittlungen der Polizei und auch bei den Tätern. Alle Figuren, die im ersten Drittel vorgestellt wurden, sind irgendwie in den Fall verwickelt.
Das erste Drittel dient der Einführung der Personen und der Geschichte. Im Mittelteil war ich versucht, Seiten zu überblättern, weil nicht viel geschah. Erst im letzten Drittel wird es dann richtig spannend.
Ein durchschnittlicher Krimi, der nur in den letzten Kapiteln das Prädikat „Thriller“ verdient hat und der im Aufbau den anderen Werken von Linwood Barclay zu sehr ähnelt. Ganz nett, aber mehr leider auch nicht.
Geschrieben von Ceecee








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