Miles Wednesday, ein kleiner 11-jähriger Junge, ist aus dem schrecklichen Waisenhaus weggelaufen, weil er es da nicht mehr ausgehalten hatte und nun wohnt er wie Diogenes ganz allein auf einem Hügel. Nun ja, nicht ganz alleine, denn sein Freund Mandarine, ein Stoffteddy, lebt mit ihm in dem alten Fass, dass er sich mit einer Matratze ausgepolstert hat und eine alte Frau, Lady Partridge, die mit vielen Katzen in seiner Nähe wohnt, ist ebenfalls seine Freundin.
Geld hat er natürlich keines und er muß daher ab und zu in die nahegelegene Stadt, um sich durch kleinere Arbeiten etwas zu Essen zu verdienen. So bekommt Miles auch die Ankunft des Zirkus Oscuro mit und möchte natürlich sehr gerne wie jeder andere die Vorstellung sehen. Erst recht, als am Morgen nach der Ankunft der Schausteller ein Tiger vor seinem Fass auftaucht, der sich mit ihm unterhält und behauptet, Miles habe ganz sicher auch Zirkusblut in den Adern. Oder hat er das nun nur geträumt? Miles will das unbedingt herausfinden und schleicht sich heimlich in eine Vorstellung und hofft natürlich auch, den Tiger wieder zu sehen.
Der Höhepunkt der Vorstellung ist allerdings der Balanceakt eines sehr ungewöhnlichen, hübschen kleinen Mädchens in einem glitzernden Kostüm, das wie von innen heraus zu leuchten scheint und ihm freundlich zulächelt. Allerdings paßt sie dabei wohl kurz nicht auf und stürzt plötzlich ab. Im letzten Augenblick jedoch breitet sie Flügelchen aus und landet unverletzt sanft auf dem Boden. Die Zuschauer halten das alles für eine beabsichtigte, tolle Showeinlage. Doch Miles - und natürlich auch der Leser - hat spätestens jetzt gemerkt, dass mit diesem Zirkus nicht alles in Ordnung ist.
Das kleine Mädchen ist nämlich ein echter kleiner Engel, ein 800 Jahre alter kleiner Liedengel, um genau zu sein, Little mit Namen, die zusammen mit ihrem Bruder durch einen Sturmstrudel auf die Erde gewirbelt wurde, vom Zirkusdirektor gefangen gehalten wird und seither für ihn arbeiten muß. Ihren Bruder Silverpoint halten die Zirkusleute im Palast des Lachens gefangen, wo er seltsame Kunststücke machen muß, um den Menschen das Lachen zu stehlen.
Das kann der liebe kleine Miles natürlich nicht zulassen. Er klaut dem Zirkusdirektor die Schlüssel, befreit Little und flieht zusammen mit ihr zunächst zu seiner Freundin Lady Partridge, wo Little die ganze schlimme Geschichte erzählt und Miles um Hilfe bittet. Miles Teddy Mandarine haben die Zirkusleute ihm außerdem auch noch weggenommen und so beschließen die beiden kleinen Helden, Silverpoint und Mandarine zu befreien, damit die Engel wieder zurück in den Himmel können, die Menschen ihr Lachen und Miles seine Mandarine zurückbekommen.
Damit beginnt dann auch das eigentliche Abenteuer für die beiden und sie müssen die verrücktesten Abenteuer bestehen und sich spannenden Herausforderungen stellen.
Jon Berkeley hat das Buch - es ist übrigens der erste, in sich aber abgeschlossene Teil einer Trilogie - für Kinder geschrieben und gedacht ist es für ein Lesealter von ca. 10 Jahren, aber die fantastischen Ideen des Autors sind so frisch, zauberhaft, anrührend und in einer humorvollen, liebevollen Art und Weise umgesetzt, dass man jedem Erwachsenen, der das Staunen und Lachen noch nicht verlernt hat, nur empfehlen kann es ebenfalls zu geniessen.
Denn - in den schrecklichen Palast des Lachens wollen wir doch alle nicht, oder?
Es sei denn, um einen Sturmengel zu befreien.
Iris Hoffmann








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