Dieses Buch wollte ich eigentlich erst wieder weglegen oder verschenken, weil ich mit religiös gefärbten Geschichten meist nicht viel anfangen kann und es lieber sehe, wenn Mitmenschlichkeit ohne Institutionen und Regeln funktioniert.
Gelesen habe ich es dann doch trotzdem und - obwohl ich die Schreibweise an manchen Stellen ein wenig zu kitschig süßlich und die Geschichte selbst stellenweise etwas an den Haaren herbeigezogen finde (obwohl es sich um eine wahre Begebenheit handeln, die lediglich ausgeschmückt sein soll - wobei der Autor für meinen Geschmack ein bißchen zuviel des Guten getan hat), hat der Autor doch etwas Wichtiges zu sagen, für den Leser/die Leserin, der/die über manche inhaltlichen Schwächen und Übertreibungen großzügig hinweg sehen kann und die Geschichte einfach an sich heranläßt.
Es ist auch nicht ganz einfach, dieses nur 170 Seiten starke Büchlein zu rezensieren, ohne die ganze Geschichte zu erzählen. Aber ich werde es dennoch versuchen.
Worum geht es?
Kurz vor Weihnachten besucht der Autor seine Oma Anna und entdeckt bei ihr einen Ring, den er nie zuvor an ihr gesehen hatte. Die fast 80jährige alte Dame erzählt ihm daraufhin, was es mit diesem Geschenk ihres eigenen Vaters auf sich hat und warum sie diese Geschichte bisher niemandem erzählt hatte.
Als 9jährige wächst Anna 1918 in einer großen, lebhaften und fröhlichen Familie in Meyersdale, einem Städtchen in Pennsylvania, auf. Der Vater und der älteste Bruder müssen zwar schwere Arbeit leisten, aber die Familie lebt in bescheidenen, aber sicheren Verhältnissen, hat genug zum Anziehen, zu Essen und genug Raum für die ganze Familie Beal, die immerhin 6 Kinder umfaßt. Es ist kurz vor Weihnachten und die ganze Familie freut sich auf ein paar Stunden, die sie gemeinsam verbringen können, auf kleine Besonderheiten wie das gemeinsame Aussuchen des Christbaums oder kleine Sonderköstlichkeiten wie das gemeinsame Rösten von Esskastanien.
Joseph, der Vater der Familie Beal, ist streng christlich erzogen und kann an der allgemeinen, etwas kommerzielleren, weltlicheren Wandlung, die das Weihnachtsfest betrifft, mit Christbaum und Geschenken noch nicht soviel anfangen bzw. befürchtet, dass der eigentliche Sinn des Weihnachtsfestes zunehmend verloren ginge. Bisher hatte er seine Frau und Familie zwar gewähren lassen, sich selbst allerdings aus den Vorbereitungen für die Weihnachtsfestlichkeiten immer herausgehalten, obwohl in seine Frau immer sanft darauf hin wies, dass die harmlose Fröhlichkeit nur das Gemeinschaftsgefühl stärke und keineswegs unchristlich sei. Aber sowas muß man ja immer selbst am eigenen Leib erfahren und Joseph beschließt, dieses Mal zumindest bei der Auswahl des Christbaums - mit Erfolg und zur Freude seiner ganzen Familie.
Da begegnet seine Tochter Anna auf dem Heimweg der sehr armen Familie Shultz, die gerade mit ihrem Planwagen auf der Reise nach Cumberland sind, wo der arbeitslose Vater hofft, eine Arbeit zu bekommen, um seine sehr verarmte Familie ernähren zu können. Die Familie hat schon einen recht weiten Weg hinter sich, ein Wagenrad ist kaputt gegangen und ihre kleine Tochter Martha sitzt verzweifelt weinend am Wegesrand, als Anna dem gleichaltrigen Mädchen begegnet. Sie kommen schnell ins Gespräch und in Anna erwacht der Wunsch, Martha und ihrer Familie zu helfen. Zunächst gibt sie Martha ihre eigenen Handschuhe, was sie selbst für kein großes Geschenk hält, weil sie selbst noch zwei Paar hat. Dann sorgt sie mit ihrer offenen, liebenswerten Art auch noch dafür, dass einige Erwachsene Marthas Familie fürs Erste für die Nacht unterbringen und helfen, den Planwagen zu reparieren.
Aber das erscheint ihr alles noch nicht genug und so schenkt sie ihrer neuen Freundin Martha heimlich ihren eigenen goldenen Ring, der ihr, wie sie selbst sagt, von ihren Eltern geschenkt wurde und bisher immer Glück brachte. Mit Hilfe dieses Rings wäre es Marthas Familie möglich, wenigstens für ein paar Tage an ihrem neuen Wohnort in Cumberland ein paar Lebensmittel zu kaufen, bis Marthas Vater Arbeit hat.
Ganz ohne Seelenqualen und Gewissensbisse geht die Sache für Anna allerdings nicht ab, denn sie ist innerlich zerrissen von dem Wunsch, richtig zu helfen und der Befürchtung, dass ihre Eltern ihr übel nehmen könnten, dass Anna deren Geschenk weiterverschenkt.
Und richtig…Joseph, der sich selbst ja immer für so christlich hielt, ist zunächst ziemlich verletzt durch Annas Tat, denn auch er mußte lange und schwer dafür arbeiten, um seiner Tochter diesen Ring schenken zu können.
An dieser Stelle werde ich nichts weiter verraten, um den Leserinnen und Lesern nicht alles vorweg zu nehmen, was an fast ein bißchen märchenhaft anmutenden Geschehnissen in dem Buch noch passiert.
Aber ich bin froh, das Buch gelesen zu haben und glaube auch, die Botschaft verstanden zu haben…selbst wenn sie für meinen Geschmack ein wenig zu dick aufgetragen daherkommt und auch ohne religiöse und/oder weihnachtliche Färbung zu verstehen gewesen wäre.
Iris Hoffmann








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