„Die Götter von Amyrantha”, der zweite Teil der Gezeitensternsaga von Jennifer Fallon geht nahtlos dort weiter, wo der 1. Band dieser spannenden Fantasy-Reihe aufhörte: der Gezeitenwechsel rückt näher und damit erstarken die besonderen Kräfte der Unsterblichen und auch der Gezeitenfürsten. Die Hoffnung Cayals, während der Ebbe endlich einen Weg gefunden zu haben zu sterben, hat sich ja nun erst einmal zerschlagen. Arkady, die junge Historikerin und Fürstin von Lebec, hat mittlerweile durch seinen Bericht und seine Geschichte eine ungefähre Vorstellung davon bekommen, zu was die Gezeitenfürsten, die sie bislang immer für eine Legende gehalten hatte, in der Lage wären, wenn sie ihre volle Macht bald wieder erhalten und die wichtigsten Machtzentren der Menschen besetzen und weiß die Bedrohung für die Menschen allmählich besser einzuschätzen.
Den schrecklichen, zerstörerischen Plänen einiger Unsterblicher steht nur ein kleiner Haufen gegenüber, die Widerstand im Geheimen leisten, darunter die Bruderschaft des Tarot, zu der auch der erste Spion des Königs von Glaeba, Declan Hawkes, gehört. Arkady möchte natürlich auch alles in ihrer Macht stehende tun, um der Bruderschaft zu helfen und dabei bekommen sie auch in diesem zweiten Teil der Saga ordentlich viel zu tun.
Denn andere — allen voran Jaxyn Aranville, der engste Vertraute ihres eigenen Mannes, der sich ebenfalls als Gezeitenfürst zu erkennen gegeben hat - sind nicht untätig gewesen und versuchen, alle zentralen Machtpositionen zu untergraben oder zu besetzen. Je näher die Gezeitenwende kommt, umso mehr gilt es für viele der Protagonisten, sich zu entscheiden, auf welcher Seite sie stehen wollen. Niemandem wird es gegönnt sein, einfach in Frieden zu leben. Auch der Crasii Ark-Warlock wird vor eine äußerst schwierige Entscheidung gestellt, denn er soll für die Menschen und zum Wohle aller die heimlichen Machenschaften Jaxyn Aranvilles ausspionieren. Dass das nicht ungefährlich ist und zudem viel innere Stärke abverlangt, kann man sich denken.
Das Fürstenpaar selbst muß sich gegen eine Intrige wehren, die sich gegen Arkadys Ehemann Stellan richtet. Dieser ist nach Torlenien strafversetzt worden und Arkady muß ihn natürlich begleiten. Die Sitten dort sind jedoch äußerst frauenunterdrückend und für die junge, selbstbewußte Frau gänzlich einschränkend. So muß sie z.B. tief verschleiert gekleidet sein und darf eigenständig kaum etwas unternehmen. Allerdings lernt sie auch die kaiserliche Gemahlin kennen und erfährt auf diese Weise, dass man auch hier aufpassen muß, wem man trauen kann und wem nicht.
Das ist überhaupt das Schöne an der Gezeiten-Saga von Jennifer Fallon. Jeder der Protagonisten ist nicht einfach nur gut oder böse, sondern hat Stärken und Schwächen, verändert sich auch mal während der Geschichte, schließt Allianzen aus der gemeinsamen Bedrohung heraus und dadurch wird eine Spannung erzeugt, die den Leser fesselt, weil er mitdenken muß und sich unwillkürlich ins Geschehen mit hineingezogen fühlt. Ich habe mich jedenfalls wesentlich besser unterhalten gefühlt, als mit so mancher Hau-Drauf-Fantasy-Geschichte.
Die gut 600 Seiten vergehen so wie im Fluge und der wirklich fiese Cliffhanger am Schluß treibt den Fan sofort zum 3.Teil der Saga.
Iris Hoffmann








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