Herr Hohlbein, ich freue mich, dass Sie Zeit gefunden haben unsere Fragen zu beantworten. Sie veröffentlichten schon viele Werke und erreichte mehrstellige Millionenauflagen in der ganzen Welt. Können Sie sich daher noch an ihr erstes Buch erinnern, welches unter ihrem eigenen Namen erschienen ist und wie sich das angefühlt hat: die Nachricht vom Verlag, dass das Manuskript angenommen wurde und dann als es erschienen ist, das Buch in den Buchgeschäften zu sehen?
Empfinden Sie heute noch große Freude darüber, wenn ein Buch angenommen wurde oder sehen Sie es eher selbstverständlich an?
Beides. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu den Verlagen und diskutiere hier im Vorfeld, wo was wann am besten passen könnte. Auch während des Schreibprozesses halte ich Rücksprache mit den Kreativen im Verlag, sodass hier komplette Überraschungen wie das Ablehnen eines Manuskriptes so gut wie ausgeschlossen sind. Das sehe ich allerdings als Privileg an.
Mit welcher Ihrer Romanfiguren würden Sie sich selber am ehesten identifizieren?
Kommt auf die Tagesstimmung an. An manchen Tagen mit Andrej Delany, an anderen mit dem Hexer von Salem – und so weiter. Beim Schreiben identifiziere ich mich dann jeweils mit der Hauptperson – in der Art, wie das vielleicht ein Schauspieler tut. Am ehesten identifiziere ich mich aber mit Wolfgang Hohlbein
Einige Ihrer Werke werden von Zeit zu Zeit neu aufgelegt. Wird dabei was am Text verändert (wenn ja was und warum) oder stets nur neu gedruckt?
Das ist unterschiedlich. Bei Büchern wird der Text meist unverändert übernommen, aber aktuelle Anpassungen – wie die Überführung an die neue Rechtschreibung – durchgeführt. Bei Hörbüchern gibt es mitunter deutlich größere Anpassungen.
Viele Ihrer bekannteren Werke wurden oder werden verfilmt. Haben Sie dabei ein Mitspracherecht, welche Schauspieler/in dafür ausgewählt werden? Welchen Schauspieler/in würden Sie gern in einem Ihrer Filme sehen und warum?
Hier habe ich ein Vorschlagrecht, die Schauspieler werden aber von einer professionellen Casting Agentur gesucht und von Produzenten, Regisseuren etc. dann letztlich ausgewählt.
Gibt es eines Ihrer Bücher, welches Sie gerne verfilmt sehen würden?
Sicherlich, sogar einige. Zur Zeit ist beispielsweise AZRAEL in der Entwicklung, wie auch vier andere Projekte. Wichtig war mir insbesondere, dass ich ein Mitspracherecht erhalte – daran sind in der Vergangenheit einige Projekte gescheitert.
Erinnern Sie sich an alle Ihre bisherigen Werke oder müssen Sie auch mal etwas nachlesen, wenn es jemand ganz genau wissen will?
Ich erinnere mich so gut an jeden Satz wie an jede Tasse Kaffee – also im Grunde genommen daran, ob sie zu mir passen, welche Stimmung sie auslösen etc.. Die Geschichten selbst habe ich etwas besser im Kopf – doch natürlich nicht mehr jede Einzelheit.
Was inspiriert Sie immer wieder auf neue Geschichten zu kommen? Kommen diese spontan oder lassen sie sich beispielsweise durch Musik oder durch die Natur inspirieren?
Sie werden durch alles Mögliche inspiriert – durch das, was ich erlebe, durch Gespräche, durch Recherchen – und auch durch Musik. Ein Naturmensch, der durch die Wälder streift und sich davon inspirieren ließe, bin ich allerdings nicht.
Glauben Sie, dass Ihnen die Ideen irgendwann ausgehen werden?
Nein – das ist vollkommen unmöglich. Ich habe immer weit mehr Ideen, als ich dann zu Papier bringen kann.
Haben Sie Einfluss auf die Cover?
In den meisten Fällen. Mitunter mache ich auch einen ersten – sehr groben – Entwurf. Es gibt allerdings auch Cover, die mich in ihrer Umsetzung dann letztlich überraschen.
Wer hatte die Idee zu dem gemeinsamen Buch „Das Buch“ welches Sie mit Ihrer Frau Heike geschrieben haben?
Die Idee dazu kam in diesem speziellen Fall von mir.
Wie kann man sich die Zusammenarbeit mit Ihrer Frau vorstellen? Gibt es hier auch manchmal Konflikte? Gibt es eine klare Einteilung wer was macht wie Schreibarbeit oder Plot entwickeln? Wieviel Einfluss hat Ihre Frau auf das Skript?
Meine Frau hat z.B. das Wort “Märchenmond” erfunden und viele Details dazugesteuert, und jetzt die Grundidee von unserem neuen gemeinsamen Werk “Silberhorn”. Das Schreiben ist dann ausschließlich meine Sache. Mitunter diskutieren wir dann recht lebhaft über die eine oder andere Wendung – aber in Streit artet das nicht aus.
Einige Mitglieder Ihrer Familie (wie Ihre Tochter Rebecca) sind in Ihre Fußstapfen getreten. Wie wichtig ist Ihnen die Unterstützung Ihrer Familie beim Schreiben?
Wichtig, wobei sich das im Falle meiner Tochter Rebecca auf unsere gemeinsamen Projekte bezieht und selten darüber hinausgeht. Sie setzt gerade zu einer eigenen Karriere mit einer ganz eigenen Art von Geschichten an, worüber ich mich sehr freue. Mit meiner Frau dagegen verbindet mich von Anfang an eine enge Zusammenarbeit.
Wird es noch, neben der Drachenthal-Reihe, weitere Märchenmond-Bücher geben?
Geplant haben wir zur Zeit hier nichts – wobei wir allerdings Silberhorn in der Tradition von Märchenmond sehen und weitere Werke mit Märchenmond Anklängen.
Wieviel Zeit verbringen Sie am Tag mit dem Schreiben? Was war Ihre längste Schreibphase am Stück?
Da ich auch in meinen (seltenen) Urlauben schreibe, läuft es eigentlich darauf hinaus, dass es nur ganz wenige Tage gibt, an dem ich nicht irgendwie an einer Geschichte arbeite. Wie viel Zeit das am Tag ist, ist sehr unterschiedlich – ich komme im Wochenschnitt aber sicherlich auf weit mehr als auf 40 Stunden.
Wie sind Sie zu dem Handyroman-Projekt WYRM gekommen und schreiben Sie für das Handy anders?
Ich habe mich von Anfang an immer mit neuen Technologien beschäftigt – und auch mit neuen Vertriebsmöglichkeiten. Bereits 1982 hatte ich meinen ersten Computer, damals musste ich mir mein Textprogramm noch selbst schreiben. Im Jahr 2000 habe ich beispielsweise als erster deutscher Autor mit großem Erfolg eine Kurzgeschichte über Internet verkauft. Jetzt produziere ich zusammen mit meinem Manager Dieter Winkler und zwei Drehbuchautoren eine Handynovelle in der Art, wie man ansonsten Fernsehserien produziert. Es ist für uns ein Experiment mit einem noch neuen Medium, das in Zukunft sicherlich einige Bedeutung haben wird.
Welches von Ihren eigenen Büchern ist Ihr Lieblingsbuch?
Hagen von Tronje
Haben Sie selber ein Lieblingsbuch von anderen Autoren?
Nein, aber ich schätze sehr viele Werke von anderen Autoren
Lesen Sie selbst viel oder bleibt Ihnen gar nicht mehr soviel Zeit dazu? Sind Sie evtl der Ansicht, man sollte von der Konkurrenz nicht zu viel lesen, damit man seine eigene Ideen nicht mit Fremdmaterial verwässert?
Konkurrenz in dem Sinne sehe ich eigentlich nicht, da ich mich – im Gegensatz zu den meisten meiner Kollegen – nicht auf wenige Gebiete der Phantastik konzentriere, sondern in sehr vielen Sub-Genres zuhause bin. Privat lese ich neben Sachliteratur vor allem internationale Autoren.
Welche Figur in Ihren Büchern wären Sie selber gerne bzw. in welcher Figur steckt das meiste Herzblut?
Herzblut steckt immer in denen meiner Protagonisten, die trotz widriger Umstände irgendwie zum Ziel kommen – vielleicht, weil mich das sehr an die Anfänge meiner Karriere erinnert.
Was lesen Sie zur Zeit und wie gefällt es Ihnen?
“Kinder der Drohne” von Neil Asher – sehr empfehlenswert.
Welchen Tipp würden Sie jemanden geben, der selber ein Buch veröffentlichen möchte?
Dranbleiben, sich Kritik öffnen, es immer wieder versuchen – und über die Jahre einen eigenen Stil zu entwickeln. Ein paar Tipps haben wir darüber hinaus auf www.medienservice-winkler.de/autorenhilfe/_main/index.htm zusammengestellt.
Herzlichen Dank Herr Hohlbein für die Beantwortung aller Fragen.
Der Gewinner des signierten Buches ist Friedrich K.
©Tine Schweizer








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