Petra Schier, Jahrgang 1978, lebt mit ihrem Mann
und einem Deutschen Schäferhund in einer kleinen Gemeinde in der Eifel.
Sie studierte Geschichte und Literatur an der Fernuniversität Hagen, und seit 2003 arbeitet sie als freie Lektorin und Autorin.
Ihre historischen Romane erscheinen im Rowohlt Taschenbuch Verlag, ihre Weihnachtsromane bei Rütten & Loening.
Sie ist Mitglied im Syndikat , Quo Vadis und DeLiA.
Guten Tag Frau Schier. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview nehmen.
Erzählen Sie doch erst einmal, wie Sie zum Schreiben gekommen sind.
Einen besonderen Auslöser fürs Schreiben hat es bei mir nicht gegeben. Ich habe seit meiner Kindheit sehr viel gelesen, dann, mit elf Jahren, mein erstes Tagebuch geschenkt bekommen. Damit fing das Schreiben bei mir an. Dann kamen nach und nach kurze Geschichten (und einige längere) hinzu und während des Abiturs fing ich dann mit meinem ersten Roman an. Es vergingen danach jedoch noch gut acht Jahre, in denen ich viel schrieb und noch mehr über das Schreiben lernte, bis es soweit war: Eines Tages klingelte mein Telefon und ein bekannter Literaturagent war am anderen Ende … Was danach geschah, kann man auf meiner Internetseite in meiner Bibliographie nachlesen.
Sie schreiben historische Romane, Weihnachtsgeschichten und Kinderbücher. Wie kommt es zu dieser sehr interessanten Vielfalt?
Angefangen hat es mit den historischen Romanen. Ich hatte schon sehr viele Bücher dieses Genres gelesen und verspürte bald den Drang, es selbst einmal auszuprobieren. Durch mein Literatur- und Geschichtsstudium kannte ich mich schon einigermaßen mit den Recherchen zu historischen Themen aus, was mir natürlich zugute kam. Und in diesem Genre erschienen dann ja auch meine ersten Bücher bei Rowohlt.
Auf die Idee mit den (Hunde-)Weihnachtsbüchern brachte mich mein Agent. Er fragte mich eines Tages, ob ich nicht Lust hätte, für Rütten & Loening solche kurzen Romane zu schreiben, und da er wusste, dass ich Hunde liebe, fügte sich beides zu einer spannenden Mischung zusammen.
Kinderbücher schreibe ich hin und wieder in Auftragsarbeit für den Verlag Eifelkrone Musik & Buch, der sie nicht selten in Kooperation mit großen Verlagen wie Tosa, Moewig oder Urania veröffentlicht. Zu diesen Auftragsarbeiten bin ich durch meine zweite Tätigkeit als freie Lektorin gekommen.
Woher nehmen Sie die Ideen für die Weihnachtshundegeschichten?
Das ist ganz unterschiedlich und gar nicht so einfach zu beantworten. Die Grundidee zur ersten Geschichte „Ein Weihnachtshund auf Probe“ kam von meinem Agenten. Gemeinsam bastelten wir daran herum, wobei er mir aber im Grunde komplett freie Hand ließ. Bei der nachfolgenden Geschichte „Ein Weihnachtsengel auf vier Pfoten“ gab er mir letztlich nur noch ein Stichwort, woraus sich dann aber etwas ganz anderes entwickelte, und die Story für mein neues Buch „Suche Weihnachtsmann – Biete Hund, ist komplett „auf meinem Mist gewachsen“. Oft sehe oder lese ich etwas, das den Anstoß zu einer Geschichte gibt. Manchmal ist es auch ein Lied im Radio. Und da ich auch selbst einen Hund (Deutscher Schäferhund) besitze, fehlt es mir natürlich auch nicht an tierischer Inspiration.
Für welches Lese- und Hörpublikum schreiben Sie am liebsten? Erwachsene Leser oder Kinder und Jugendliche?
Für Jugendliche habe ich bislang noch nichts geschrieben, und was die beiden anderen Zielgruppen angeht, so muss ich sagen, dass ich am liebsten für Erwachsene schreibe. Wobei meine Weihnachtsgeschichten eigentlich immer „für die ganze Familie“ geschrieben sind. Damit hätte ich dann doch wieder alle Gruppen im Boot.
Im Oktober 2009 erscheint „Die Eifelgräfin“. Erscheinen “Die Eifelgräfin” und “Die Stadt der Heiligen” dann später auch als ungekürzte Hörbücher?
Das kann ich im Augenblick noch gar nicht beantworten, denn das hängt davon ab, ob und von welchem Hörbuchverlag die Lizenzen dafür eingekauft werden. Und ob die Hörbücher dann ungekürzt erscheinen, steht wieder auf einem anderen Blatt, denn die Hörbuchverlage publizieren ja auf ganz verschiedene Weise.
Beim Probelesen und -hören Ihrer Bücher auf Ihrer Homepage fällt auf, dass Sie in allen Ihren Romanen sehr viel Wert auf authentische Wiedergabe des Familienlebens legen und es sehr lebendig beschreiben.
Nicht nur das Familienleben, so hoffe ich, sondern dieses Ziel verfolge ich in allem, was ich schreibe. Aber es stimmt schon, ich bemühe mich, die familiären, sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhänge möglichst plastisch darzustellen, da sich diese ja in vielen Punkten von unserer heutigen Erfahrungswelt unterscheiden. Ich möchte, dass meine LeserInnen ein Gefühl für die jeweilige Epoche bekommen, für die Menschen und dafür, was und wie sie dachten und fühlten. Und wenn es mir gelingt, Figuren zu erschaffen, die den Lesern in guter, vielleicht sogar liebevoller Erinnerung bleiben, macht mich das natürlich sehr stolz.
Im April 2010 erscheint „Der gläserne Schrein“. Welche neuen Projekte sind geplant?
So einige, über die ich leider noch nicht offen sprechen darf. Auf jeden Fall habe ich bereits konkrete Ideen für einen dritten Aachen-Roman sowie für mindestens drei weitere historische Romane, von denen zwei zur Zeit des 30-jährigen Krieges spielen werden. Was darüber hinaus noch in meinem Notizbuch steht, kann ich gar nicht alles aufzählen, denn das würde den Rahmen dieses Interviews sprengen.
2010 wird es auch wieder einen Weihnachtsroman geben, dessen Titel aber noch nicht feststeht.
Sie sehen, ich sprudele über vor Ideen. Meine geneigten LeserInnen brauchen also keine Angst vor einer Flaute zu haben.
Ist ein vierter Teil der Geschichte rund um ihre Figur Adelina geplant?
Hm, wenn ich schon darüber sprechen dürfte … (siehe oben). Nun ja, geplant ist ein vierter Band schon, aber wie und wann er erscheinen wird, steht noch nicht fest. Wenn es soweit ist, werde ich es aber umgehend auf meiner Internetseite http://www.petra-schier.de sowie im dortigen Blog verkünden.
Haben Sie bestimmte Rituale, die Sie beim Schreiben einhalten?
Rituale eigentlich nicht, nur ein bestimmtes Pensum. Ich beginne jeden Tag gegen 7:30 Uhr mit der Arbeit und schreibe so lange, bis ich 10 Seiten fertig habe. Das kann vier Stunden dauern oder sechs oder acht. Hin und wieder ist es auch schon vorgekommen, dass ich mich abends noch mal hingesetzt habe, weil ich tagsüber das Pensum nicht schaffen konnte. Aber in der Regel sind es fünf bis sechs Stunden reine Schreibzeit. Hinzu kommt dann ja noch Recherche, Beantwortung von Emails, Betreuung meiner Homepage, des Blogs, des Leserunden-Forums und einiges mehr. Und natürlich alle Büroarbeiten, die bei einer Freiberuflerin sonst noch so anfallen. Ein Fulltime-Job also, der nach Struktur und Disziplin verlangt. Und nur so schaffe ich es auch, zwei bis vier Romane pro Jahr zu schreiben.
Nach Fertigstellung eines Manuskripts verordne ich mir dann aber auch regelmäßig zwei bis vier Wochen Urlaub, damit ich wieder in die wirkliche Welt zurückfinde.
Ach ja, nicht zu vergessen: Mehrmals im Jahr gehe ich natürlich auch noch auf Lesereisen.
Was ich übrigens gerne mache, jedoch nicht zwingend ein Ritual nennen würde: Ich höre beim Schreiben sehr gerne Musik, zu historischen Romanen am liebsten solche aus der entsprechenden Epoche. Dadurch fällt es mir oft noch leichter, mich in die Atmosphäre der Geschichte hineinzuversetzen.
Was lesen Sie selbst gerne?
Von allem etwas, würde ich sagen. Historische Romane natürlich, schon um zu sehen, was meine KollegInnen so schreiben. Aber auch Liebesromane (keine Nackenbeißer allerdings), Thriller, sehr selten Krimis. Ich liebe die Romane von Nora Roberts, jedenfalls die anspruchsvolleren, schätzungsweise um die vierzig davon dürften in meinem Bücherregal stehen. Und außerdem bin ich bekennender Fan von Jane Austen, am liebsten im englischen Original.
Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Schreiben ist …
… für mich Beruf und Berufung zugleich. Wenn ich nicht schreiben dürfte, würde es irgendwann in meinem Kopf aussehen wie in einem Albtraum von Hieronymus Bosch. Ganz zu schweigen davon, welche Auswirkungen das auf mein lieben Mitmenschen hätte …
Ich bedanke mich recht herzlich für dieses Interview und freue mich schon sehr auf viele weitere tolle Romane von Ihnen. Die ein oder andere Leserunde werde ich mich Sicherheit begleiten.
Ricarda Ohligschläger 29.06.2009
Die Fragen stammen zum Teil aus Einsendungen. Die Gewinnerin aus dem dazugehörigen Gewinnspiel wurde bereits schriftlich benachrichtigt.







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