Diese Geschichte, die übrigens auch verfilmt wurde, sucht wirklich ihresgleichen und eignet sich hervorragend zum Selberlesen und Vorlesen, nicht nur zur Weihnachtszeit. Denn, obwohl sie im Prinzip die Weihnachtsgeschichte aus der Sicht eines kleinen Esels erzählt, enthält sie doch eine wesentlich ältere und wahrhaftigere Botschaft…über die man sich selbst einfach nur öfter mal klar werden darf in seinem Leben.
Aber zunächst kurz zum Inhalt: Der arme Zimmermann Josef kauft, mangels genügend Geld, ausgerechnet den störrischsten und kleinsten aller Esel als Helfer in allen Lebenslagen (Wasser tragen und Helfer bei der Landarbeit) für seine schon hochschwangere Frau Maria. Sie ist auch diejenige, die ihn sofort annimmt und ins Herz schließt, wie er nunmal ist und deswegen auf die uneingeschränkte Treue und Bereitschaft des kleinen Esels jederzeit rechnen darf.
Als die Familie von der kaiserlich angeordneten Volkszählung hört und zu diesem Zweck nach Bethlehem reisen muß, ist der Esel ihre Rettung in vielerlei Situationen: er trägt Maria auf seinem Rücken und ist unerschütterlich und zäh bei jedem Wetter, ja, selbst bei der Überquerung eines reißenden Stroms. Ein Engel leitet und spornt den Esel an, nur er kann ihn sehen und erfährt von ihm, welche Gefahren der kleinen Familie drohen, bringt sie durch alle Gefahren sicher zum Stall vor der Stadt, wo Maria endlich ihr Kind gebähren kann.
Der Esel galt nicht nur in früheren Zeiten als ein Tier, was man nicht zum Kämpfen gebrauchen konnte, welches große Belastungen ertragen konnte, seinen eigenen Willen, Ecken und Kanten besaß, nicht besonders hübsch aber zuverläßig war und welches Gefahren in Form von unsicheren Wegen, die eventuell beschritten werden sollten, geradezu wittern konnte. Ein Lebewesen mit eigenem Stolz und Willen, oft als störrisch bezeichnet und dennoch einem Herrn, der das Besondere, Individuelle und Einzigartige in ihm sehen konnte, ein Leben lang treu ergeben.
Iris Hoffmann








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