
Dieser Roman von Gerard Donovan sucht wirklich seinesgleichen.
Aber zunächst kurz zum Inhalt. Julius Winsome lebt völlig allein mit tausenden von Büchern, die er von seinem Vater geerbt hat, in einer Hütte in den Wäldern von Maine, die außer einem Kamin und natürlich den vielen Büchern kaum Komfort enthält. Mit sich, der Natur, seinen Büchern und vor allem der Ruhe in den stillen Wintern zufrieden, ist er im Laufe der Jahre so zum Eigenbrödler geworden, erinnert sich an die Kriegsgeschichten seines Großvaters und an frühere familiäre Vorkomnisse und hat sich oberflächlich betrachtet ein scheinbar behagliches, aber eben abgeschottetes Leben eingerichtet. Das Wissen und die Erkenntnisse, die er aus seinen Büchern zieht, kann er mit niemandem teilen.
Da verläuft sich Claire auf einem Spaziergang durch die Wälder zu ihm und ab da auch öfter mal in seine abgeschottete Welt, vermutlich fasziniert von seinem Einsiedlerleben. Julius, an Gesellschaft nicht mehr gewöhnt, ist allerdings unfähig, auf Claire einzugehen, wie es bei sogenannten normalen Bekanntschaften und Freundschaften üblich wäre und so findet eine wirkliche Annäherung zwischen den beiden nicht statt.
Claire ist bewußt, dass das Leben, welches Julius führt, auf Dauer nicht gesund für ihn ist und fährt mit ihm ins Tierheim, wo Julius einen Pitbullterrier, den er Hobbes nennt, mit zu sich nach Hause nimmt. Danach verschwindet Claire aus Julius Leben so sang- und klanglos, wie sie es betrat und läßt wiederum zwar neue Erfahrungen und Sichtweisen für Julius zurück, aber er bleibt mit seinem neuen Freund Hobbes, der keine Ansprüche an ihn stellt, genau so gerne und zufrieden wieder alleine.
Bis zu dem Tag, als Julius einen Schuß im Wald hört und kurz darauf den tödlich verletzten, sterbenden Hobbes findet. Nun ist Julius nach der Beerdigung seines ihm einzig verbliebenen Freundes noch mehr allein als er jemals zuvor gewesen war und “wehrt” sich auf seine Weise. Er will denjenigen finden, der ihm kaltblütig das Einzige nahm, was ihm noch blieb und wird selbst zum Jäger und Mörder.
Doch Gerard Donovans Buch ist kein Plädoyer für eventuell verständliche Selbstjustiz, sondern er erzählt, was für grundlegende Veränderungen in Julius Winsomes Seele vor sich gehen und führt den Leser zu der Erkenntnis, was soziales Leben bedeutet, dass Liebe und Leben auch immer gepaart ist mit dem Risiko des Verlustes, den man ebenso annehmen und akzeptieren muß…und, dass die Natur völlig unbeindruckt von menschlichen Dramen weiter existiert, der Winter in Maine weiter ruhig, kalt und still sein wird und der Schnee die Leichen genauso zudeckt wie zuvor Hobbes.
Was für Julius bleibt, ist ein behagliches Feuer im Kamin, seine Bücher und seine Ruhe und Kraft, die er aus seinen Erinnerungen und nun eigenen Erlebnissen zieht.
Ein Buch, was nicht ganz leicht zu “schlucken” ist, auch nicht vom Schreibstil her, da die sonst übliche wörtliche Rede und die damit verbundene Lebendigkeit fehlt, doch es ist wohl beabsichtigt vom Autor und regt auf jeden Fall jeden zuhörenden Leser sehr zum Nachdenken an.
Iris Hoffmann







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