George Orwell war mir viele Jahre lang nur als Autor von “1984” und “Farm der Tiere” ein Begriff. Mit dem englischen Original des letzteren Buches wurde ich schon im Schulunterricht gequält. Damals wusste ich noch nicht, dass der Brite auch ganz anders schreiben konnte. Das beste Beispiel dafür ist das vorliegende Buch! Darin geht es um den englischen Holzhändler John Flory, der Mitte der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts in Burma lebt. Noch hat der Kolonialismus das Land fest im Griff und sowohl die dort stationierten britischen Beamten, als auch die burmesische Bevölkerung leiden darunter. Die Briten wissen in dem fremden Land nichts mit sich und ihrer Zeit anzufangen und verbringen ihre Tage in monotoner Langeweile. Im Grunde ihres Herzens mögen sie weder das Land, noch seine Menschen. So ist es kein Wunder, dass sich in ihren Reihen Rassismus, Unterdrückung und Brutalität gegenüber den Burmesen ausbreiten.
Doch auch die burmesische Gegenseite hat einige schäbige Vertreter zu bieten. Zum Beispiel den Distriktsrichter U Po Kyin, der mit so üblen Methoden wie Erpressung, Korruption und ähnlichem die ungebildete und wehrlose Bevölkerung in Schach hält. Der Mittdreißiger Flory gerät zwischen die Fronten, da er mit dem einheimischen Arzt Dr.Veraswami befreundet ist, der wiederum U Po Kyin im Wege steht. Zu seinem Pech ist John Flory jedoch ein sehr konfliktscheuer und harmoniesüchtiger Mann, der Streitigkeiten gern aus dem Weg geht. Dann taucht auch noch eine junge Engländerin auf der Bildfläche auf und verdreht Flory gründlich den Kopf, was dessen Geliebter gar nicht gefällt. Der arme Flory hat also mit allerlei Problemen zu kämpfen und muss unliebsame Entscheidungen treffen…
George Orwell war selbst als Offizier in Burma stationiert und konnte deshalb eigene Erfahrungen in seinen Roman einfließen lassen. Ich finde es überaus interessant, dass scheinbar auch schon zur damaligen Zeit viele Engländer mit der imperialistischen Politik des britischen Königreiches nicht konform gingen. Sehr lebhaft und eindrucksvoll schildert Orwell die schlechten Lebensbedingungen der Bevölkerung sowie ihre kulturellen Eigenheiten und Bedürfnisse. Ebenso werden die britischen Besatzer mit ihrem überheblichen Gehabe und ihrer Intoleranz analysiert und kritisiert. Besonders gut sind dem Autor die Beschreibungen der Landschaft gelungen. Man kann beim Lesen förmlich die exotischen Blumen riechen und das nächtliche Geheule der Paria-Hunde hören, so plastisch sind die Eindrücke.
Der Sprachstil von George Orwell ist sehr elegant und zeichnet sich durch einen feinsinnigen Humor aus. Zweifellos stellt der Roman an den Leser gewisse Ansprüche. Er erfordert ein hohes Maß an Konzentration und Mitdenken während des Lesens. Kein Buch für zwischendurch! Dafür ist die Handlung einfach zu komplex. Einziges Manko des Buches: Die Schrift ist sehr klein, was das Lesen anfangs etwas kompliziert, aber dafür kann der Autor natürlich nichts! Ich habe mit “Tage in Burma“ jedenfalls ein paar sehr unterhaltsame und interessante Stunden verbracht und werde das Buch bestimmt ein zweites Mal lesen!
Geschrieben von: Emma









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