Als der Roman “Die Schönen und Verdammten“ im Jahr 1922 veröffentlicht wurde, hatte es der Autor F. Scott Fitzgerald bereits durch sein erstes Werk “Diesseits vom Paradies“ zu einiger Berühmtheit gebracht. Neben literarischen Größen wie Faulkner und Hemingway wird Fitzgerald bis heute als einer der Hauptvertreter der amerikanischen Moderne angesehen. Am bekanntesten dürfte sein Werk “Der große Gatsby“ sein, das mehrfach verfilmt wurde. F. Scott Fitzgerald unterhielt gemeinsam mit seiner Frau Zelda einen sehr kostspieligen Lebensstil und wurde alsbald von großen Geldnöten, Erfolgsverlust, sowie Ehe– und Alkoholproblemen geplagt, die ihn und seine Frau schlussendlich zerstören sollten. Zelda kam bei einem Brand in einer Nervenheilanstalt um, ein paar Jahre zuvor war ihr Mann an den Folgen eines Herzinfarktes gestorben.
“Die Schönen und Verdammten“ trägt indes stark autobiografische Züge und handelt von den jungen Eheleuten Anthony und Gloria, die gutaussehend und einigermaßen wohlhabend sind, aber außerstande, ihrem Leben einen wie auch immer gearteten Sinn zu geben. Am Ende zerbrechen sie an ihren nicht haltbaren Lebensvorstellungen und ihrer Undiszipliniertheit. Die Geschichte liest sich anfangs wie eine Gesellschaftskomödie, wechselt jedoch mit der Zeit ins dramatische Fach und wird von der Atmosphäre her zunehmend düsterer und verzweifelter. Gloria und Anthony leben beständig über ihre Verhältnisse, reihen eine Party an die nächste und frönen ansonsten dem absoluten Müßiggang. Ihre finanzielle Situation verschlechtert sich unweigerlich und sie rutschen gesellschaftlich ab. Anthony verfällt immer mehr dem Alkohol. Die einzige Hoffnung des mittlerweile füreinander abgestumpften Paares ist das zu erwartende Erbe von Anthonys Großvater….
Fitzgerald hat seinen zweiten Roman sehr vielfältig konzipiert. Auf der einen Seite herrscht ein lockerer, intelligenter und von ironischen Spitzen durchsetzter Plauderton vor, andererseits geht der Autor bei seinen Analysen der gehobenen Gesellschaft und ihren Auswüchsen sehr tiefgründig und scharfsinnig vor und kommt zu Erkenntnissen, die auch heute noch auf viele Menschentypen anwendbar sind. Die Sprache ist sehr phantasievoll und farbig und vermag ein sehr lebendiges und äußerst unterhaltsames Zeitbild zu schaffen, inklusive der angesagtesten kulturellen Strömungen der “Roaring Twenties“.
Trotzdem wirkt die Erzählweise zwischenzeitlich etwas uneinheitlich, da Fitzgerald mit gelegentlichen
Einschüben arbeitet, die den Charakter von Bühnenstücken haben oder aus unwichtigen Nebenhandlungen bestehen und seltsam deplaziert scheinen. An diesen Stellen ist der Roman eindeutig zu experimentell. Die Erzählperspektive springt munter zwischen allwissendem und Ich-Erzähler umher, was irritierend wirkt. Hinzu kommt, dass die reflektionsreichen literarischen Debatten zwischen Anthony und seinen Freunden etwas zu philosophisch und ausschweifend angelegt sind, wodurch Langeweile aufkeimt. Letzter Kritikpunkt: Fitzgerald benutzt Wörter, die anscheinend außer ihm den meisten Menschen unbekannt sind (und waren) und dem Leser aufgrund ihrer Antiquiertheit einiges Kopfzerbrechen bereiten.
Die zuvor erwähnten Einschränkungen sind zwar spürbar, schmälern das Lesevergnügen jedoch nur minimal. Davon einmal abgesehen, erhält man einen sehr amüsanten, klugen, erstaunlich spannenden und stets geistreich entlarvenden Blick auf eine längst vergangene Zeit, in der Leichtsinn, Müßiggang, Oberflächlichkeit und die Ausblendung von Realitäten zur Tagesordnung der jungen Vertreter der oberen Klassen gehörten. Die Themen Alkoholismus und zerrüttete Ehe sind dem Autor in der erschreckenden Intensität ihrer Darstellung so gut gelungen, dass der Leser gleichsam gezwungen ist, sich der Geschichte ganz auszuliefern und erst am bitteren Schluss aus ihren Fängen entlassen wird. Eine absolute Kaufempfehlung für anspruchsvolle Leser mit Bezug zu Amerika und den dekadenten 20er Jahren!!
Geschrieben von:
Emma Woodhouse







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