“Der Tag an dem Marilyn starb”, Originaltitel “Promise of Rain”, von Donna Milner ist der erste Roman, den ich von dieser Schriftstellerin gelesen habe, aber er wird hoffentlich nicht der letzte sein, den ich von ihr geniessen darf.
In zwei Zeiträumen und zwei Handlungsebenen erzählt die Autorin zum einen in Rückblicken von den Kriegserlebnissen des Kanadiers Howard Coulter, der zusammen mit seinem besten Freund während der Endphase des Zweiten Weltkrieges in Hongkong stationiert war, wo kanadische Truppen die britischen Einheiten gegen den Angriff der Japaner verstärken sollten. Was dort als relativ harmloser und ungefährlicher Einsatz begann - was allerdings ist auch in einem Krieg schon harmlos? - , endet in Gemetzel, unmenschlich betriebener Kriegsgefangenschaft durch grausame japanische Lager-Aufseher und bewirkt bei Howard durch einige, sehr unter die Haut gehende Erlebnisse ein Trauma, das bis in die Gegenwart und Zukunft seines Lebens lange nach Beendigung des Krieges reicht.
Der Roman beginnt mit dem überraschenden Tod seiner lebenslustigen Frau Lucy unter mysteriösen Umständen und stellt den zweiten Erzählstrang dar, der sich jeweils mit dem anderen Erzählstrang um Howard abwechselt und der in Ich-Erzählweise von seiner Tochter Ethie erzählt wird, die am meisten unter dem unerklärlichen Tod ihrer Mutter leidet und im Nachhinein Nachforschungen anstellt, vorrangig allerdings den Versuch der ganzen Familie sehr nachvollziehbar und einfühlsam beschreibt, mit dem Verlust des Dreh-und Angelpunkts der ganzen familie zurecht zu kommen..
Die Familie, die Lucy hinterläßt, besteht einmal aus ihrem Ehemann Howard, der immer noch unter den traumatischen Kriegserlebnissen leidet und der durch Lucys Tod gänzlich in die Trunksucht abzugleiten droht, zumal er sich bittere Vorwürfe macht, Lucy nicht die Wahrheit über die Geschehnisse während des Krieges, deren Folgen bis in die Gegenwart der Familie hineinreichen, erzählt zu haben und mit seinem eigenen Gewissen kämpft, dass diese Unterlassung eventuell sogar der Auslöser für Lucys Tod war.
Daneben gibt es allerdings auch noch die besagte Tochter Ethie und ihre beiden Brüder, Frankie und Christopher, der mit dem Down-Syndrom geboren ist und den alle Kipper nennen. Aber auch noch weitere Akteure und ungelöste Fragen spielen eine Rolle: wer ist z.B. das chinesische Mädchen, das seit Tagen das Haus der Coulters beobachtet? Und warum hatte die Familie immer so wenig Geld zur Verfügung, obwohl doch drei Familienmitglieder gute, feste Arbeitsplätze hatten?
Ohne allzu viel vom Inhalt zu verraten und damit die Spannung, ob Lucys Tod nun ein Unfall, Selbstmord oder etwas anderes war, vorweg zu nehmen, sei erwähnt, dass Donna Milner es meisterhaft versteht, die verschiedenen Charaktere sehr detailliert und liebevoll auszuarbeiten und jede/r der Protagonisten einen sehr wichtigen Part in dem Roman einnimmt.
Kein einziger davon ist überflüssiges Brimborium, sondern notwendiger, unabdingbarer Bestandteil des Beziehungsgeflechts Familie, ohne deren positive Verflechtungen massiven äußeren Belastungen niemand standhalten kann.
Donna Milner schreibt unprätentiös, stimmig und klischeelos. Die Story ihrer Figuren ist sehr gut miterlebbar und beide Buchtitel als auch das deutsche Buchcover sinnvoll gewählt.
Ich hoffe, von der Autorin noch einige gute Bücher lesen zu dürfen.
Iris Hoffmann








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