Dr. Siri Paiboun ist 72 Jahre alt und wird 1976 im Zuge der kommunistischen Revolution auf seine alten Tage zum amtlichen Leichenbeschauer von Laos bestimmt. Eigentlich hat er weder Lust noch das Fachwissen, um diese Aufgabe auszuführen, vielmehr bringt er sich mit einem alten Lehrbuch das Nötigste bei und wurschtelt sich mit seinen beiden Assistenten, einer übergewichtigen Krankenschwester und einem Jungen mit Down-Syndrom, irgendwie durch. Eines Tages wird die Leiche der Ehefrau eines Parteifunktionärs eingeliefert, die bei einem Bankett scheinbar grundlos tot umfiel. Dr. Siri nimmt die Ermittlungen auf und merkt schnell, dass irgendwas nicht stimmt. Dann fallen die weiteren Leichen buchstäblich vom Himmel, dass es nur so prasselt und Dr. Siri hat alle Hände voll zu tun, in der kommunistischen Mangelwirtschaft mit den eingeschränkten Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen, den Fall zu lösen.
Colin Cotterill hat einen wirklich einzigartigen Ermittler ausgedacht, Dr, Siri ist ein realistisch denkender, lebenserfahrener Mann, der mit dem Kommunismus nicht wirklich etwas anfangen kann, ihn aber wie alles andere im Leben stoisch und mit viel Humor und Selbstironie hinnimmt. Er versucht immer das Beste aus allem zu machen, sowohl aus seiner privaten Situation, die eigentlich todtraurig ist, als auch beruflich.
Die ganze Geschichte ist toll geschrieben und lebt natürlich von dem für uns exotischen Schauplatz Laos. Ich habe teilweise bei den Schilderungen der praktischen Auswirkungen des Kommunismus laut lachen müssen. Wenn man sich bildlich vorstellt, dass seit Monaten alle Anstriche in Laos mit swimmingpoolblauer Farbe erfolgen, weil eben gerade nichts anderes da ist und jetzt quasi das ganze Land hellblau erstrahlt, das hat schon was…oder wenn Dr. Siri zum ersten Mal im Leben ein Telefon benutzt und (1976!) schnell auf die Idee kommt, dass tragbare Telefone wirklich praktisch wären.
Insgesamt ein tolles Buch mit einer klug ausgedachten Mordgeschichte, die aber der Atmosphäre drumherum nicht die Schau stehlen kann. Hier noch eine Rezension von literaturblog-duftender-doppelpunkt.at
Hier auch noch eine weitere Rezension dazu von Elselohren.at
Geschrieben von: Eva









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