Der 20.Januar 2009 war für die gesamte amerikanische Nation ein äußerst denkwürdiges Datum. Denn an diesem Tag wurde nicht nur der 44. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt, sondern es zog mit Barack Obama zum ersten Mal in der Geschichte Amerikas ein Afroamerikaner ins Weiße Haus ein. Doch wer ist dieser Mann, der Millionen Amerikaner und Menschen auf der ganzen Welt in den Bann zieht. Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, habe ich mich dazu entschlossen, das Buch “Ein amerikanischer Traum – Die Geschichte meiner Familie“ zu lesen, das von Obama selbst geschrieben wurde.
Das Buch erschien bereits 1995 und entstand im Zuge der Anfragen mehrerer Verleger, die auf Obama aufmerksam geworden waren, nachdem dieser zum ersten afroamerikanischen Präsidenten der “Harvard Law Review“ (Fachzeitschrift der Harvard Law School) ernannt wurde. Ursprünglich wollte Barack Obama wohl über die Rassenpolitik der USA schreiben, merkte aber schnell, dass ihm die Niederschrift seiner Familiengeschichte vornehmlich am Herzen lag. Als Sohn einer weißen Amerikanerin und eines schwarzen Kenianers wuchs Obama auf Hawaii auf. Der Vater verließ die Familie früh und kehrte nach Abschluss seines Harvard-Studiums nach Afrika zurück, wo er erneut heiratete und als Regierungsberater arbeitete. Ein paar Jahre später kam er bei einem Autounfall ums Leben. Auch Baracks Mutter ging eine weitere Ehe mit einem Indonesier ein und so verbrachten Mutter und Sohn einige Jahre in Jakarta. Wieder zurück in den Staaten lebte Obama bei seinen weißen Großeltern. Ein Politikwissenschaftsstudium an der Columbia University von New York City folgte, dann eine Tätigkeit bei einer gemeinnützigen Organisation in Chicago, wo der Mittelstandsbürger Obama als Streetworker mit dem Elend der Armenviertel in Berührung kam. Barack Obama beschloss daraufhin, Jura zu studieren, um Bürgerrechtsanwalt zu werden. Zuvor wollte er jedoch endlich seine afrikanischen Wurzeln kennen lernen und reiste deshalb mit seiner Halbschwester Auma nach Kenia.
Meine Meinung zum Gelesenen ist etwas zwiespältig. Einerseits zeigt Obamas Schreibstil, dass er in der Lage ist, über die Länge eines ganzen Buches hinweg das Interesse des Lesers am Fortgang der Geschichte aufrecht zu erhalten. Kein Vergleich zu den drögen Sachbüchern einiger deutscher Politiker. Obama hat ganz offensichtlich das Zeug zum Schriftsteller und kommt hervorragend ohne die Hilfe eines Ghostwriters aus. Ehrlich und ungeschönt erzählt er auch von den weniger angenehmen Stationen dieser frühen Jahre, in denen er aus Unsicherheit und falsch verstandener Loyalität einige Fehler beging. So berichtet Obama unter anderem ganz offen von seinem zeitweiligen Drogen- und Alkoholkonsum. Dem jungen Mann fehlte verständlicherweise eine geeignete Identifikationsfigur und die dauerhafte Abwesenheit des Vaters, sowie die Erkenntnis, dass er wegen seiner dunklen Hautfarbe nicht wirklich in die Welt der Weißen gehörte, riefen tiefe Zweifel in ihm hervor.
Auf fast jeder Seite des Buchs geht es um die Rassenfrage, wobei Obama sich eindeutig als Schwarzer sieht und manchmal fast der Eindruck entsteht, er wäre von seiner Mutter adoptiert worden und fühle sich seinen weißen Angehörigen nicht wirklich verbunden. Diese Passagen haben mich etwas ratlos gemacht, da ich bestimmte Handlungen und Denkweisen aufgrund fehlender lebensgeschichtlicher Erklärungen nicht gänzlich nachvollziehen konnte und wichtige Details vermisste. Zum Glück finden sich jedoch in der Einleitung und im Vorwort von 2004 einige Erläuterungen zu Obamas Einstellung gegenüber seinen Familienmitgliedern. Besonders liebevoll spricht er an dieser Stelle über seine bereits verstorbene Mutter. Anscheinend hat er selbst gemerkt, dass seine Erinnerungen etwas einseitig ausgefallen sind. Ich empfand es als Zeichen einer gut funktionierenden Selbstreflexion, dass Obama zwar auch nachträglich zu seinen Schwächen und Stärken steht, aber durchaus in der Lage ist, an den notwendigen Stellen Korrekturen vorzunehmen. Irgendwie passt dieser Umstand perfekt zu der sehr komplexen, geradlinigen, aber auch schwer einzuschätzenden Persönlichkeit Barack Obamas. Auffällig ist in jedem Fall die souveräne und rationale, dabei aber sehr einfühlsame Art, in der Obama die Erlebnisse dieser Jahre schildert, die erstaunlich persönlich dargestellt werden und vor seiner eigentlichen Laufbahn als Berufspolitiker abbrechen.
Abschließend möchte ich sagen, dass mir das Buch insgesamt gut gefallen hat und ich auch jetzt noch viel darüber nachdenke. Der amerikanische Titel “Dreams from My Father. A Story of Race and Inheritance” bringt übrigens viel besser auf den Punkt, um was es in diesem Buch wirklich geht.
Geschrieben von: Emma








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