An Audrey Niffeneggers Roman „Die Zwillinge von Highgate”, Originaltitel: „Her fearful symmetry”, scheiden sich offenbar die Meinungen der Leserschaft gewaltig. Lobte man ihren mittlerweile berühmt gewordenen Liebes-Roman „Die Frau des Zeitreisenden” fast einhellig in den höchsten Tönen ob der geradezu poetischen Schilderung einer starken Liebesbeziehung, zeigt sich grob geschätzt die Hälfte der Leser, die öffentlich ihre Meinung sagen, doch ziemlich enttäuscht bis geradezu angewidert.
Ich muss zugeben, dass mich das dann doch recht neugierig machte und ich war sehr gespannt, wie der Roman denn auf mich wirken würde.
Worum geht es?
Um die gerade durch Leukämie verstorbene Elspeth Noblin und ihre Zwillingsschwester Edie. Vor Jahrzehnten hatten sich beide schwerstens überworfen, denn Edie hatte Elspeth den Verlobten ausgespannt, war nach Amerika gezogen und die beiden hatten seither keinen Kontakt mehr zueinander gepflegt. Edles Zwillingstöchter Julia und Valentina, die von dem Streit und dessen Ursache auch nichts wissen, sollen nun allerdings Elspeths Erbe bekommen, woran allerdings per Testament einige seltsame Bedingungen geknüpft sind. Die Eltern der Zwillinge dürfen unter keinen Umständen die Wohnung betreten, aberJulia und Valentina sollen ein Jahr lang in der Wohnung der Verstorbenen wohnen, die sich in einem alten Haus in unmittelbarer Nähe zum Highgate-Cemetry befindet.
In einer anderen Wohnung des Hauses wohnt auch Elspeths Mann Robert, der anfangs sehr unter Elspeths Tod leidet und an einer Dissertation über den berühmten Highgate-Friedhof schreibt und seine umfangreichen Recherchen dazu oft unterbrechen muss, um Führungen für Besucher — besonders in den westlichen, sehr verwunschen wirkenden Teil des Friedhofs - vorzunehmen.
Mit im alten Haus wohnt auch noch eine zusätzliche Nebenfigur des Romans, ein Kreuzworträtselautor, der an zwanghafter Putz-und Waschsucht leidet und den seine Frau Marijke verließ, weil sie dessen Psychosen nicht mehr ertragen konnte.
Bis zu diesem Punkt gefielen mir sowohl die Schreibweise als auch die geheimnisvolle Geschichte eigentlich ganz gut, obwohl ich die beiden Zwillinge Julia und Valentina etwas zu unzeitgemäß und dadurch unglaubwürdig gestaltet finde. Moderne junge Frauen verhalten sich meiner Meinung einfach anders. Und dass Zwillinge grundsätzlich unter dem Problem leiden sollen, dass einer der dominante Teil ist, der den anderen Zwilling unterdrückt, möchte ich doch stark bezweifeln und sich das auch noch wiederholen soll? Naja. Wie auch immer.
Jedenfalls befindet sich Elspeth eben noch nicht in ewiger Ruhe unter der Erde, sondern in einer Art Zwischenstufe. Sie ist als Geist noch im Haus, beobachtet alle Lebenden und möchte auf sich aufmerksam machen, erst recht, als Robert beginnt, sich in eine ihrer Nichten zu verlieben.
Weiter möchte ich den Geschehnissen nicht vorgreifen, um anderen Lesern die Spannung zu erhalten, aber mir waren das einfach eindeutig zu viele psychisch gestörte Personen auf engstem Raum und der ganze Roman wirkte auf mich nach anfänglichem Schmunzeln über Elspeths Versuche als Geist, sich bemerkbar zu machen und mit ihrem Leben als Geist klar zu kommen, doch etwas zu skurril und konstruiert. Mußte man anfangs noch über ihr Erstaunen darüber lächeln, welche Möglichkeiten sich mitzuteilen ihr als Geist gegenüber dem, was ein lebender Mensch an Kommunikationsmöglichkeiten hat verwehrt waren, widerte mich ihr Egoismus und Neid auf die Lebenden doch nach einiger Zeit ziemlich an. Vermutlich verstehe ich aber auch nur unter Liebe etwas völlig anderes als dass diese eben im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht.
Auch hatte ich gegen Ende des Buches einfach das Gefühl, der Abgabetermin für den Roman sei für Frau Niffenegger urplötzlich zu nahe gerückt und das Ende doch ziemlich mit der sogenannten heißen Nadel “gestrickt”.
In einem Interview mit der Autorin las ich, dass sie diesen Roman hauptsächlich um den Friedhof von Highgate drum herum geschrieben habe, weil sie diesen faszinierend findet.
Tja, das ist dann wohl nicht so meins. Ich ziehe alles Lebende vor und würde auch eher in Ausbauten für z.B. Kindergärten, Spielplätze und Schulen investieren als in die Erhaltung von Friedhöfen!
Vielleicht wendet sich die Autorin ja irgendwann mal einem Thema zu, das mich mehr interessiert und berührt.
Iris Hoffmann








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