
Gebundene Ausgabe, 192 Seiten, S. Fischer Verlag, Erscheinungsdatum 04. Mai 2009
Alice sah zu Richards geschlossenen Fenstern hoch und dachte, in einem Bett in einem Zimmer in dieser Wohnung in diesem Haus in dieser Straße liegt einer, den ich kenne, und stirbt; alle anderen machen etwas anderes.?
Derartige Sätze werden dem Leser bei allen fünf Kurzgeschichten der Neuerscheinung von Judith Hermann begegnen. Eine der wenigen Autorinnen, die das Lebensgefühl der heutigen Thirtysomethings brilliant zwischen zwei Satzstücke zu packen vermag, will wieder anregen, anstoßen, vielleicht auch ein wenig anecken.
Judith Hermanns neuestes Werk ist stärker noch als ihre ersten beiden Romane ein Frauenbuch ? wenn auch kein typisches. Die Hauptprotagonistin und Titelgeberin Alice setzt sich damit auseinander, dass es speziell die Frauen sind, die den Kreislauf der Natur mitbestimmen: Als Mütter begleiten Frauen Menschen ins Leben und als Weggefährten begleiten Frauen Menschen aus dem Leben. Auch heute noch - in den kriegsfernen Zeiten unserer Gesellschaft - sind es oftmals die Frauen, die ihre Männer überleben.
Egal in welchem Alter und egal aus welchem Grund: Einen geliebten Menschen sterben zu sehen ist ein einschneidendes Erlebnis und die folgende Trauer kann ewig währen. Die deutsche Autorin hat sich möglicherweise aus ganz persönlichen Gründen bewusst dafür entschieden, diese hoch-emotionalen Aspekte zu thematisieren. Jede der fünf Geschichten um einen sterbenskranken Mann hat einen fast körperlich spürbaren Nachhall.
Durch wenige Dialoge, aber viel Zwischenmenschliches werden intensive Stimmungen transportiert. Hermanns Schreibstil ist geprägt von einer geschickten Wortwahl, die ein anspruchsvolles Lesen zwischen den Zeilen erlaubt ? hier lässt sie dem Leser den größtmöglichen Raum für eigene Interpretationen. Schriftstellerisch eine große Kunst!
Hier eine Beitrag von goldmag.de zu diesem Titel. Und hier noch etwas vom Kunstblogbuch.de.
Geschrieben von: Jutta Schönfelder







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