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Iris in Donnerstag, Mai 20th 2010

Als ich Eva Baronskys Roman „Herr Mozart wacht auf” das erste Mal in Händen hielt, war ich zunächst skeptisch, was mich erwarten würde. Mit klassischer Musik komme ich nur bedingt in Berührung und ich weiß auch nicht sehr viel über das Leben und Werk von Wolfgang Amadeus Mozart. Daher ging ich denn auch — wie es heute so schön modisch heißt — völlig vorurteilsfrei und unbelastet an diesen Roman heran und gebe zu, mich köstlich amüsiert zu haben.
Worum geht es?
Wolfgang Amadeus Mozart stirbt im ersten Kapitel und wacht wirklich buchstäblich über 200 Jahre später im zweiten Kapitel wieder auf, mit dickem Kopf vom Trinken und völlig desorientiert, wo, wann und auch vor allem warum er sich in unserem 21. Jahrhundert befindet. Köstlich, wie alle, mit denen er ab dann zu tun hat, ihn ob seiner für heutige Zeiten gestelzten Sprache für einen verschrobenen Kauz halten. Zum Schmunzeln, wie der Compositeur sich mit für uns alltäglichen Dingen wie Autos, U-Bahnen, WC und Elektrizität auseinander setzt. Menschlich lebendig beschrieben wie er mit der freizügigen Kleidung und dem Auftreten von heutigen, modernen Frauen versucht fertig zu werden und ebenso nachvollziehbar menschlich, wie er sich über die stümperhafte Fertigstellung seines Requiems durch seinen Schüler Süßmayr ärgert und er gerne seine Version zu Ende bringen und der Nachwelt überlassen möchte.
Eva Baronsky hat mit diesem Roman meiner Ansicht nach eine tolle Idee gehabt, die sie einfach meisterlich und mit viel Situationskomik gewürzt umgesetzt hat. Liebevoll detailliert gezeichnete Protagonisten, die einem sofort ans Herz wachsen und eine fantastisch ausgearbeitete Story.
Wer bei dem Buch nicht lächeln muß oder es sich zum Lesen und Genießen entgehen lässt, hat selbst Schuld.
So sehr man jedoch oft schmunzeln muss über Amadè Mozart und sein ehrfürchtiges Staunen über alle Errungenschaften menschlichen Technikgeistes, CDS, DVS, Autos, Jeans, sexy Kleidung u.ä., schafft es Eva Baronsky doch auch, den Leser nachdenklich zu machen.
Ob der Mensch Mozart wirklich so war, wie ihn die Autorin zeichnete, sei dahingestellt und natürlich birgt es einige humorige Situationen oder manchmal auch geradezu einen Kulturschock, wenn man sich vorstellt, dass ein Mensch eine Zeitreise um 200 Jahre macht. Aber ich denke, das dies nicht alles ist, was uns Eva Baronsky mitteilen wollte. Echte Werte wie Liebe, Hingabe, Vertrauen, Zuverlässigkeit, Ehrgefühl und Freundschaft sind zu allen Zeiten Stützpfeiler, auf die Menschen bauen können müssen, damit das Leben überhaupt lebenswert und sinnreich ist.
Und es ist zu wünschen, dass nicht nur Mozart bei dieser Erkenntnis aufwacht, sondern auch der eine oder andere Leser. Der Pole Piotr wird ihm ein echter Freund, der verhindern will, dass Mozart ins soziale AUS gerät und umgekehrt lernt Piotr auch von Mozart, dass es mehr gibt im Leben als nur Arbeit und Verpflichtungen.
Die völlige Hingabe Mozarts (in seinem Fall zur Musik) ist ein Geschenk, eine Fähigkeit, die wir durch viele oberflächliche Reize oft verschütten und es kann beim besten Willen nicht schaden, wenn wir uns dessen — und sei es durch das Lesen dieses tollen Buches — hin und wieder mal wieder öfter bewusst werden.
Nur zu empfehlen!
Iris Hoffmann
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